Mallorca: Lost Place am Na Penyal

Aus einem spontanen Abstecher zum Na Penyal wird das Highlight meiner Tagestour. Der Berg ist mit seiner Höhle und den Bunkern ein echter Geheimtipp für Geocacher, Wanderer und Historiker.

Es war schon später Nachmittag, als ich nach einem schönen Tag rund um Porto Cristo zum Hotel zurück fuhr. Nordwestlich von Cala Millor fielen mir dann vier Geocaches am Na Penyal ins Auge. Ich suchte einen Weg zum Start einer kleinen, spontanen Wandertour. Dazu verlies ich die MA-4023 in Richtung Panorama-Restaurant Bella Vista. Da ich mich nicht auskannte, parkte ich auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke, schnappte mir mein Garmin, die letzten Snacks und eine Flasche Wasser. Auf dem Weg zum Berg kam ich an der Finca Bella Vista vorbei und fand einen Parkplatz, den ich jedem empfehlen würde. Er gehört zur Anlage, die das gesamte Areal am Fuße des Berge ein-nimmt. Direkt am Parkplatz beginnt eine Schotterstraße, die man zwar auch befahren kann, aber man findet weiter oben keinen guten Parkplatz mehr. Wenn man dieser Piste Richtung Funkturm folgt, kommt man nach wenigen Minuten zu einem verlassenen Haus.

An diesem verlassenen Haus biegt man rechts zum großen Bunker abSo sind die Räume in den Fels gebaut Lageplan der Anlage, rechts unten ist der Eingang

Hier biegt man rechts ab und folgt dem Trampelpfad. Schon bald sieht man den Eingang zu einem Bunker. Ein völlig unversperrter Rundbogen lädt regelrecht zur Besichtigung ein – vorausgesetzt man hat eine Taschenlampe dabei. Von hier aus geht es nämlich ungefähr 40m tief in den Berg hinein. Wenn man die Skizzen rechts anklickt, erhält man eine Vorstellung, wie der Bunker aufgebaut ist.Unten angekommen kann man zwei Schutz- bzw. Lagerräume betreten, in denen es außer ein paar Graffitis nicht viel zu bestaunen gibt. Interessant fand ich jedoch den Aufbau: In den Hohlräumen des Felsens sind freistehende Räume aus Beton gebaut. Sie hatten vorne einen direkten Zugang zu einer Rampe und auf der Rückseite einen Schacht zur Belüftung. Die Rampe, die wieder nach oben führt, besteht aus einer schrägen Ebene ohne Stufen, so das man sie mit kleinen Fahrzeugen befahren kann. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um ein Munitionsdepot, welches über die Rampe be- und entladen wurde.

Der Geocache befindet sich übrigens nicht im Bunker. Es reicht, wenn man vor dem Bunkereingang links den Hang hinaufkraxelt. Es handelt sich dabei um einen typischen Mallorca-Cache: Ein Steinhaufen mit einer ordentlichen Dose. Für mich war das schon mal ein sehr aufregender Start – gerade weil ich soetwas gar nicht erwartet hatte.

Auf zum Gipfel…

Wer ordentliche Wanderschuhe trägt, kann sich jetzt auf den Weg zur Höhle auf dem Na Penyal machen und dabei noch mehr Hinterlassenschaften des Militärs entdecken.
Dazu geht man zurück zum Haus an der Schotterstraße. Diese geht man wenige Meter bergauf und sucht den kleinen Pfad, der auf der linken Seite zwischen den Sträuchern beginnt. Wer hier ein Navi mit topografischen Karten besitzt, kann mit einer OpenStreetMap etwas leichter den Einstieg finden. Wenn die Schotterstrasse stark nach links abknickt ist man bereits zu weit gegangen!

Links die Höhle, rechts der Gipfel

Der Pfad führt zwischen stacheligen Sträuchern, Aloe vera, Gräsern und großen Steinen stetig bergauf. Man sollte die Augen offen halten und auch etwas abseits des Weges schauen, sonst verpasst man die beiden Beobachtungs- und Geschützbunker, die in den Berg hineingebaut sind.
Beide Bunker kann man durch schmale, teils verschüttete Gänge betreten.

Wer diese Bauwerke genau so neugierig untersucht wie ich, kann im oberen Bunker sogar einen unveröffentlichten Geocache finden. Oberhalb des zweiten Bunkers wird der Weg steiler und beschwerlicher. Dafür ist von hier aus, die Höhle schon sehr gut zu sehen. Die letzten Meter führen durch einen kleinen Kaktuswald. Wenn man nicht so trittsicher ist, sollte man Handschuhe anziehen, um sich im Fall eines Falles irgendwo festhalten zu können.
Wer die Klettereinlage durch die Kaktusfeigen überstanden hat, wird mit einem schattigen Plätzchen in der Höhle belohnt. Sie ist nicht sehr tief. Dafür fühlt man sich, wie auf einem riesigen Balkon… inkl. grandioser Aussicht!

Höhle mit Kaktusfeigen Puig de sa Bassa: Blick Richtung Nord-Ost Puig de sa Bassa: Blick Richtung Süd-West

Hier befindet sich auch der zweite Geocache auf dem Berg. Nach dem Loggen fiel mir die Dose auf dem Puig de sa Bassa auf. Doch wie kommt man dorthin?
Hier gab mir das Cache-Listing den richtigen Ansatz: Man findet den Weg, wenn man aus der Höhle heraus, links am Felsen entlang geht. Mit viel Phantasie kann man einen kleinen Pfad erkennen. Dieser teilt sich bald in mehrere Richtungen. Mit dem Ziel im Auge, den Grat zwischen den Gipfeln zu erreichen, kann jeder selbst entscheiden, welcher der Beste ist.
Hat man den Grat erreicht, gibt es nicht mehr viel Spielraum…
Wer Höhenangst hat, bekommt hier die letzte Chance umzukehren. Ansonsten heißt es ab hier: Klettern.
Bis auf die letzten Meter muß man zwar nicht um sein Leben bangen, aber Vorsicht ist auf jeden Fall geboten! Der Gipfel bietet Platz für 4 Personen. In größeren Gruppen sollte man hier nicht anrücken. Die Aussicht ist herrlich. Ins Landesinnere nimmt der Na Penyal die Sicht aber Richtung Küste ist der Blick grandios. Wer hier zum Geocachen raufgeklettert ist, muß wieder etwas absteigen, um an die Dose zu kommen – mehr will ich aber nicht verraten. Mir wurde auf dem Gipfel schnell klar, das es mit dem vierten Geocache am Berg nichts mehr wird… Die Zeit hätte nicht für einen gefährlichen Abstieg und erneuten Aufstieg gereicht.

Balkon-Feeling: Blick aus der Höhle

So genoss ich etwas länger die abendliche Stimmung auf dem Berg. Für den Abstieg nutzte ich wieder mein GPS. Damit konnte ich perfekt den Weg wiederfinden, den ich für den Aufstieg genommen hatte.Das Auto erreichte ich beim einsetzenden Sonnenuntergang. Die letzten Sonnenstrahlen ließen den Berg noch einmal für mich erstrahlen – ganz großes Kino!Fazit: Ein echter Geheimtipp für Wanderer, Geocacher und alle mit einem Faible für Lost Places. Eine herrliche Aussicht vermischt sich hier mit viel Natur und den stummen Zeugen des Krieges.

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