Teufelsberg – Die alte Abhörstation

Während unserer Urlaubsvorbereitungen wurde ich auf zwei große Lost Places in Berlin aufmerksam gemacht: Der Plänterwald-Park an der Spree und die alte Abhörstation der Amerikaner auf dem Teufelsberg. Ich war sofort Feuer und Flamme. Und so fuhr ich mit dem Auto zu einem der Wanderparkplätze am Fuße des Berges. Für den Weg nach oben hatte ich mir noch einen Geocache vorgenommen: Wald Apparat – Die falsche Birke. Dabei handelt es sich um einen sehr kuriosen Cache. Sie steht mitten im Wald – die falsche Birke. Ein Kunstwerk von Julius von Bismarck an einer Stelle, die außer uns Geocachern wohl kaum jemand besuchen dürfte. Für mich war das ganze sehr geheimnisvoll und somit die perfekte Einstimmung auf den Tag. Ich wußte nämlich überhaupt nicht, was mich oben auf dem Berg erwartet.

Für die letzten hundert Meter nutzte ich die Strasse. Oben angekommen entschied ich mich, zuerst den Geocache Die alte Abhörstation zu suchen und eventuell einen Zugang zum Gelände zu finden.
Den Geocache konnte ich nach kurzer Suche loggen, doch mit dem Zugang wurde es nix…
Man merkt sehr schnell, was das hier einmal war – STRENG GEHEIM – auch die NSA war hier tätig! Ein doppelter ca. 4m hoher Zaun mit Stacheldraht und einem Weg für Wachleute schützt noch heute das Gelände. Aktuelle Schilder weisen darauf hin, das man zum Betreten der Field Station nur den Haupteingang benutzen soll. Und so umrundete ich einmal das Sicherheitsgebiet um dann am Eingang die neuen Besatzer des Geländes kennen zu lernen: Eine handvoll Autonome kümmern sich hier um die Besucher und deren Eintrittsgelder. Dafür bekommt man einen gekennzeichneten Rundweg inkl. Besichtigung des großen Turmes. Sieht man sich den Kartenausschnitt genauer an, fällt der QR Code auf einem der Dächer ins Auge. Als ich die Leute am Eingang darauf ansprach, wurde mir mitgeteilt, das der dahinter versteckte Link leider veraltet ist.

Auf dem Gelände ist alles erlaubt, was nicht verboten ist. Das schließt auch das Betreten aller Gebäude ein, die nicht abgeschlossen sind. Es ist also zu empfehlen, eine Taschenlampe mitzunehmen. Generell ist der Rundgang aber ohne besondere Ausrüstung möglich. Kleine Kätzchen, die sehr kreativ die Wege und Treppenhäuser zieren, weisen den Weg durch das doch recht verwinkelte Gelände. Überall kann man wirklich sehenswerte Graffities und andere Kunstwerke bestaunen. Die zugänglichen Bereiche sind größtenteils entkernt und vermitteln kaum noch ein Gefühl für das, was hier einst passierte.

Dafür muß man dann doch zum großen Turm. Von hier aus kann man wunderbar das gesamte Gelände mit all seinen Antennenkuppeln bewundern. Hat man das Dach der großen Halle erreicht, kann man am Fuße des Turmes zwei Kuppeln betreten. Sie bestehen aus einem Gerüst aus Metallprofilen, die mit einer Art LKW Plane bezogen sind. Von hier aus hat man auch einen schönen Ausblick – auf der einen Seite Berlin – auf der anderen Wald, soweit das Auge reicht. Selbst hier oben ist alles mit Graffities verziert. Hier startet auch die letzte Etappe… Über das dunkle Treppenhaus, was über mehrere Runden den stillgelegten Aufzug umrundet, gehts ganz nach Oben in die große Kuppel. Sie besteht aus einem festen Material und ist vollständig erhalten. Nur eine Tür und ein kleines Loch bieten die Möglichkeit, nach draußen zu sehen. Die Akkustik ist der Wahnsinn! Das Innere der Kuppel ist ebenfalls mit einem Kunstwerk versehen – allerdings viel größer und beeindruckender als alle anderen. Man fragt sich unweigerlich: Wie kann man das hinbekommen? Hier oben endet dann auch die Spur der kleinen Katzen.

Ich beendete meinen Rundgang mit der Besichtigung einer Bauruine. Dort sollte wohl ein weiterer Turm gebaut werden. Doch es ist beim Kellergeschoss geblieben.

Auf dem Rückweg zum Auto wartete noch ein Cache auf meinen Besuch. Dafür mußte ich den Weg im Wald verlassen. Und genau hier lernte ich sie kennen – die wahren Herrscher des Teufelsberges: Wildschweine! Nachdem ich einem Fuchs begegnet war und ich die Dose fast erreicht hatte, sah ich sie. Es war ein ganzes Rudel Schweine in 30m Entfernung, welche mich genauso verdutzt ansahen wie ich sie. Wie soll man sich jetzt verhalten? Das Navi zeigte noch 5m bis zum Cacheversteck. Wie angewurzelt stand ich da und schmiedete einen Plan… Er bestand aus nur zwei Dingen: Dose greifen, Loggen und danach blitzschnelle Flucht. Die Wildschweine waren deutlich entspannter als ich – aber sie waren auch in der Überzahl! Mein Plan ging auf.

Etwas später erreichte ich erleichtert das Auto. Mit so vielen Eindrücken und Abenteuern hatte ich nicht gerechnet.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


1 + 3 =