Wer mündlich eine Reise bucht

… lernt die chinesische Mentalität kennen, sieht abgelegene Dörfer, muß wachsam sein, ein Navi haben und etwas Zeit investieren. Am Ende lacht er jedoch über die erhaltene Lektion!

Voller Stolz berichtet eine Kollegin, das sie den geplanten Ausflug zu den Silver Mountain Pagodas telefonisch angefragt hat.
Wie für Chinesen üblich, hat unserer Fuhrunternehmen alles richtig verstanden, sich gefreut und uns einen Preis mitgeteilt. Da hätten wir schon stutzen sollen – der Preis erschien uns zu hoch. In einem weiteren Gespräch konnten wir den Preis nicht drücken und so buchten wir die Fahrt.

Mit unserem chinesischen Chauffeur unterwegsSonntag Morgen – der Smog in der Stadt war auf ein Höchstmaß angestiegen – trafen wir uns vor dem Hotel. Vier wanderfreudige Kollegen, gut ausgerüstet für einen Tag in den Bergen.
Als der Kleinbus ankam, merkte ich, das der gleiche Fahrer am Steuer saß, mit dem wir auf unserer letzten Tour gemeinsam Essen waren. Wir begrüßten uns… und da erkannte er mich auch wieder: Er grinste bis über beide Ohren, nahm mich in den Arm, lachte laut und herzlich und machte eine Bewegung, die unverkennbar war – Gan bei!
Ich freute mich genau so sehr wie er… ein tolles Gefühl.

Zur Sicherheit nannten wir ihm noch einmal unser Reiseziel. Er nickte und los gings.

Aus reiner Neugier schaltete ich mein Navi ein. Später stellte sich heraus, das diese Aktion unseren Tag rettete.
Er fuhr Richtung Flughafen und wir flunkerten schon, ob er uns wohl zur Arbeit bringt, denn eigentlich stimmte die Richtung nicht so ganz. Nach einer halben Stunde kam mir das Ganze spanisch vor. Ines holte den Zettel mit unserem Reiseziel raus und ich hielt unserem Fahrer die chinesischen Schriftzeichen vor die Nase. Er freute sich, nickte und lächelte uns an. Uns hätte klar sein müssen, das das hier alles bedeuten kann!
Irgendwann wurde mir bewusst, das wir definitiv falsch waren. Wir zwangen ihn zum Anhalten, holten noch einmal unseren Zettel raus und ließen ihn in Ruhe lesen… Diesmal lächelte er nicht. Statt dessen zeigte er uns auf einer Visitenkarte mit Zielorten, wo es seiner Meinung nach hinging. Als wir ihm klarmachten, das wir dort nicht hinwollen, stieg er erst einmal aus, um lautstark zu telefonieren.

Mein Navi informierte uns indes, das wir immer noch genau so weit vom Ziel entfernt waren wie vom Hotel aus. Wild gestikulierend erklärte er uns auf Chinesisch, das er jetzt einen Riesenumweg fahren muß. Wir nahmen an… was blieb uns anderes übrig?

Straße mit Körnern

Die Fahrt war abenteuerlich und interessant zu gleich: Wir kamen durch ein Dorf, in dem alle Strassen mit Weizen(?)-Körnern bedeckt waren. Es stand also überall nur eine Fahrspur zur Verfügung. Trotzdem kamen wir gut durch und wegen des geringen Tempos konnten wir beobachten, was mit dem Getreide geschah: Es wurde auf der Strasse getrocknet und mit Reisigbesen wurden immer wieder die Spelzen herausgefegt bis nur noch Körner vorhanden waren. Diese wurden dann immer wieder gewendet bis…

Hier verließen wir den Ort wieder. An einigen großen Kreuzungen gab ich ihm den Tip abzubiegen – dem Garmin mit OSM Karte sei dank! Er freute sich darüber. Später wählte er jedoch bewusst eine andere Strecke – Sie führte uns über die Berge. Wir passierten Mutianyu und die östlichen Ming Gräber. Der Smog war allerdings immer noch so stark, das wir nichts davon sehen konnten.

MühlsteineNach zwei Stunden kamen wir endlich am Silver Mountain Pagoda Forest Park an. Was ich dort erlebte, steht im nächsten Bericht. Doch eins sei noch gesagt: Die Rückfahrt klappte gut und beim Verabschieden zeigte der Fahrer respektvoll auf mein Garmin.

Ich nickte, freute mich und lächelte ihn an!

 

 

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