Yunmengshan National Forest Park – Ein Badeausflug

Kann man in der Nähe Pekings baden gehen. Wir haben es versucht und ein sehr schönes Fleckchen Natur pur gefunden.
Ca. 70km nördlich von China liegt ein echter Geheimtip für Wanderfreunde: Naturbelassene Wälder, Wasserfälle und atemberaubende Berge!

„Was machen wir eigentlich nächstes Wochenende?“ fragte ich so in die Runde der Kollegen. Wir diskutierten einige Optionen bis einer sagte: „Baden wäre mal nicht schlecht!“
Oh ja, alle waren begeistert… doch wo?!
Wir suchten im Internet und fanden einen Park, der den Bildern zu folge, zum Baden geeignet war. Da es sich um keins der üblichen Ausflugsziele für Touristen in Peking handelte, musste ich erst einmal unser genaues Ziel ausfindig machen, um es auf Chinesisch unserem Taxiunternehmen mitteilen zu können. Erst am Abend vor der geplanten Tour bekamen wir die Bestätigung.

Alle freuten sich auf einen ruhigen, entspannten Tag an einem der fünfzehn Pools, die in der Parkbeschreibung angepriesen wurden.
Ich prüfte instinktiv die Gegend auf Geocaches und wurde prompt fündig. Zwei Dosen genau in unserem Park – und beide wurden noch nie gefunden: Gute Chancen auf zwei FTFs! Also packte ich neben den Badesachen auch mein GARMIN ein.

Yunmengshan National Forest Park

Samstagmorgen ging es los. Es war schönes Wetter und alle waren gut gelaunt. Die Fahrt war diesmal unspektakulär und wir kamen völlig entspannt an unserem geplanten Ziel an.
Für mich stellte sich jetzt die Frage, welche Schuhe ich anziehen sollte. Da unser Startpunkt in einer Schlucht zwischen vielen Bergen lag, entschied ich mich für die Wanderstiefel. Es war eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte. Als alle ihre sieben Sachen beisammen hatten ging’s los…

ÜbersichtskarteVom kleinen Dorf aus, in dem der Fahrer auf uns wartete, führte ein kleiner Pfad steil bergauf. Einheimische verkauften Obst und Trockenfrüchte. Wir hatten kein Interesse – die Lust auf Baden zog uns den Berg hinauf. Irgendwann dachte ich mir: „Wie soll es auf dem Berg Teiche und Pools geben?“ Ich machte mir so meine Sorgen. Diese waren aber schnell verflogen als wir um die nächste Biegung kamen und eine kleine Plattform erspähten. Einige Chinesen saßen am Rand und genossen die Aussicht. Mich faszinierte jedoch etwas ganz anderes: Von der Plattform gab es eine Seilbahn über das Tal. Aber es war kein Sessellift oder ähnliches. Vielmehr gab es nur einen Haken, in den man sich einklinken konnte, um dann ungebremst über die Schlucht zu rasen. Jeder, der schon mal in einem Kletterpark war, wird wissen, was ich meine. Voller Euphorie schaute ich in die Runde. Aber ich erntete nur ungläubige Blicke. „Das willst Du doch nicht wirklich machen?!“ sagten sie und deuteten auf die Technik, die für den Rücktransport am anderen Seil verantwortlich war.
Für mich gab es kein Halten. Zum einen fuhr einer der Angestellten auch regelmäßig hin und her und zum anderen kannte ich solche Seilbahnen aus einem Dresdner Kletterpark. Obwohl es hier doch etwas anders war:
Als erstes erhielt ich einen Helm und danach legte mir ein Angestellter den Klettergurt an. Jetzt wurde auch das Finanzielle geklärt. Im Anschluss daran musste ich erst einmal meine Kollegen beruhigen. Sie waren aufgeregter als ich.

Seilbahn

Danach erhielt ich eine kurze Einweisung – auf Chinesisch natürlich – und klick hing ich im Schlitten, der mich ca. 300m weit über das Tal befördern sollte.
Ich prüfte den Gurt, stellte mich an die Kante… und stieß mich ab. Die Fahrt war sehr rasant und ich sah den Berghang auf der anderen Seite bedrohlich schnell näher kommen. Ich brachte mich in eine gute „Aufprallposition“ und ließ noch kurz ein paar Blicke schweifen. Alles ging sehr schnell. Am anderen Ende des Seils stand jemand, der mit einer langen Latte meine Fahrt ordentlich abbremste, so das ich völlig easy gegen die Strohsäcke pendelte. Er gab mir ein Zeichen, meinen Karabiner vom Haken zu lösen. Ich kletterte zu ihm herunter und er zeigte mir, wo ich mich für die Rückfahrt einzuklinken hatte.
Gemächlich fuhr ich wieder nach oben. Jetzt hatte ich genügend Zeit, die herrliche Landschaft zu bewundern. Ca. 30m unter mir lag das Dorf mit unserem Taxi – und darin wiederum unser Fahrer. Wohlbehalten kam ich oben an. Es konnte weitergehen.

Nachdem wir noch einige Meter bergauf unterwegs waren, schlängelte sich der Weg wieder nach unten. „Seid mal still! Ich höre Wasser.“ Und tatsächlich: Durch den dichten Wald drang Wassergeplätscher – na geht doch!

Doch bevor wir das erste Mal Wasser sahen, musste ich die Meute schon wieder abbremsen. Wir hatten den ersten Geocache erreicht. Die Suche gestaltete sich schwierig… Die Koordinaten sprangen hin und her. Am Anfang suchten noch alle mit – doch am Ende war ich der Einzige, der durch das knietiefe Laub stapfte. Jeder Felsbrocken im Umkreis von 50m wurde untersucht und jeder Baumstamm vom darum liegenden Laub befreit. Wäre es hier nicht um einen FTF gegangen, hätte ich die Suche abgebrochen. Da die anderen noch geduldig an einem kleinen Rastplatz warteten machte ich mich an einer Felswand zu schaffen… Und siehe da: Die Dose! Meine Kollegen wollten es kaum glauben und aufgeregt warteten wir alle auf den großen Moment. Das Logbuch war noch leer! FTF: First to Find: Erstfinder!
Nach diesem Erlebnis stand sofort die Frage nach dem zweiten Cache im Raum. Er hieß TIGER POOL und verband damit gleich zwei Ziele – Baden und Suchen.
Tiger Pool

Tiger PoolWir stiegen einen kleinen Pfad nach unten, ein Wegweiser zeigte uns die Richtung. Schon bald sahen wir das Wasser. Es war ein kleiner Gebirgsbach zwischen riesigen Felsbrocken. Dazwischen wuchs hohes Gras, Büsche und kleine Bäume. Nach Baden sah es leider noch nicht aus.
Als wir unten ankamen, wunderten wir uns über die vielen Leute… Die Gegend scheint unter Einheimischen sehr beliebt zu sein. Wir schlenderten über einen gewaltigen Felsbrocken mit chinesischen Schriftzeichen. Hier musste es sein: der Tiger Pool. Und tatsächlich gab es hier einen winzigen Teich, der sich durch das angestaute Wasser gebildet hatte. Er war ca. 5x10m groß und in der Mitte 1,50m tief. Wir umrundeten ihn, um uns auf einem kleinen Kiesstrand niederzulassen. Für mich und einen Kollegen stand sofort fest: Da gehen wir rein.
In Windeseile hatten wir die Klamotten ausgezogen und die Badehose an.
Glasklares Wasser… Schön aufgeheizt, wie wir waren, waren die ersten Schritte im knöcheltiefen Wasser die ultimative Erfrischung. Doch je weiter ich hinein stieg machte sich die Kälte des Baches unangenehm bemerkbar. Dazu kam noch der steinige Untergrund, der das Vorwärtskommen erschwerte – Ich wollte ja nicht gleich ganz hineinfallen. Nachdem ich den tiefsten Punkt erreicht hatte, hieß es Gleichgewicht halten und… einmal bis zum Hals eintauchen. Puh, jetzt erst einmal wieder raus. Ich merkte, dass mein Kreislauf am Rande des Machbaren war. Doch die Erfrischung tat so gut, dass ich mich noch eine Weile im flachen Wasser aufhielt. Herrlich!

Nun zog es mich aber zum zweiten Geocache, der laut GARMIN nur 40m entfernt irgendwo am Bach liegen sollte. Überall waren Chinesen und Verstecke gab es zu hauf. Ich suchte solange, bis ich mir selbst Gedanken um die Geduld der anderen machte. Es war einfach nichts zu finden – Schade.

Ronald - oben Ronald - mitte Ronald - unten

Wir gingen wieder hinauf zum Hauptweg und folgten ihm weiter in das Tal hinein. Wir überquerten eine idyllische Steinbrücke und kamen an einen Wegweiser: Wir hatten zwei Möglichkeiten. Auf dem einen Schild stand „To the Top“ und auf dem anderen „Five Frog Pools“. Wir waren uns einig… Auf keinen Fall „to the Top“!
Der Weg schlängelte sich durch die Felsen. Es war wie im Dschungel. Nach einer Weile standen wir zwar nicht an den erwarteten Pools – dafür aber vor einem großen Wasserfall, der leider kaum Wasser hatte.
Der Weg endete dort; so sah es zumindest aus. Wir erinnerten uns an einen Reisebericht aus der Gegend, in dem von einer Höhle hinter einem Wasserfall die Rede war. Unsere Blicke schweiften suchend über die Felsen: „Da… ein Geländer – dort muss der Weg zur Höhle sein!“

SchlangenhautAufgeregt wie kleine Kinder begannen wir die rutschigen Felsen hinaufzuklettern, bis wir merkten, dass am Rand kleine Stufen in den Stein gehauen waren. Mit dessen Hilfe erreichten wir auf halber Höhe des Wasserfalls den steilen Pfad mit dem Geländer. Es handelte sich um Drahtseile, an denen man sich nach oben ziehen konnte. Erst jetzt merkte ich, dass drei von uns noch ganz unten standen. Wir ermutigten sie nachzukommen. In der Zwischenzeit kletterte ich bis zur Kante des Wasserfalls und genoss die schöne Aussicht. Als die anderen zu mir aufschlossen, erzählten sie mir, ich solle vorsichtig sein – hier gibt es große Schlangen! Sie hatten eine ca. 1,5m lange Schlangenhaut entdeckt, die mir durch die Klettereinlage verborgen blieb.

Wir machten eine kleine Pause. Ein einsam wandernder Europäer überholte uns. Nach einer Weile kam er zurück und erzählte, dass es einfach immer nur höher ging. Darauf hatte er keine Lust – wir eigentlich auch nicht! Aber wir hofften immer noch auf ein Abenteuer. Wir versuchten uns mit der Karte auf der Rückseite des Tickets zu orientieren. Es gelang uns nicht wirklich aber wir entschieden uns, noch etwas höher zu steigen.
Der Weg verlief durch eine Schlucht, in der sich die Wärme zu stauen schien. Wir quälten uns immer höher – ohne Ziel – und begannen über uns selbst zu lachen: Badeausflug – nur nicht wieder auf die Berge – denkste!
Wir kamen an eine Stelle, der Pfad führte uns über Wurzeln und Steine, an der viele große Bäume standen. Etwas verunsichert schauten wir nach oben. An das laute Zirpen der Grillen hatten wir uns bereits gewöhnt, doch hier kam ein Geräusch aus den Ästen, was auf taubengroße Zikaden schließen ließ. Je weiter wir gingen, desto bedrohlicher wurden die Klänge. Ich hatte das Gefühl, sie wollten uns überfallartig angreifen und lebendig auffressen… Sie überlegten es sich anders und wir mussten noch höher. Wie weit eigentlich noch?!

Wanderung Wanderung Wanderung Ronald - Schöne Aussicht!

Nach ein paar Biegungen stieg der Weg nicht noch weiter an. Der Ideale Ort für eine Pause. Ich breitete mein Handtuch auf den Felsen im Schatten aus und legte mich ein paar Minuten hin. Alle waren kaputt und wollten wieder zurück. Das passte mir nicht so ganz und so kletterte ich den Hang etwas höher in den Wald hinein. Es sah so aus, als wäre hier mal ein Weg gewesen. Ein Schild „Zutritt verboten“ erregte meine Aufmerksamkeit. Verbotene Sachen haben immer einen gewissen Reiz…
Plötzlich wieder Stufen im Felsen, ein rutschiger Abhang und dann ein kleiner Pfad zwischen riesigen Steinen. Ich folgte dem Weg und stand auf einmal auf einem Bergkamm. Von hier aus konnte ich sehen, dass wir entfernungsmäßig kaum weitergekommen waren. Dafür war die Aussicht atemberaubend.

Die anderen riefen mich – Mist! – Ich musste wieder zurück.

Wie sich wenig später herausstellte war unser Rastplatz der höchste Punkt unserer Wanderung. Von da aus ging es nur noch bergab. Es gab schöne Aussichten zu genießen und der Weg führte uns über Leitern und Stiegen durch ein schmales Tal an einem Bach entlang wieder nach unten. Als wir dort ankamen standen wir wieder vor einem Wegweiser. Auf dem einen Schild stand „To the Top“ und auf dem anderen…

Es war derselbe Wegweiser von vor zwei Stunden! Wir wussten nicht, ob wir Lachen oder Fluchen sollten. Auf jeden Fall wollten wir jetzt nur noch zum Auto.

Unser Fahrer und ich

An der kleinen Steinbrücke machten wir diesmal eine kleine Pause. Während ich meine Füße im Bach abkühlte beobachtete ich viele chinesische Familien und einen Frosch, der sich hartnäckig unter einem Stein zu verstecken suchte.

Doch bevor es später mit dem Auto wieder nach Peking ging, tranken wir noch genüsslich ein Bier an einem kleinen Kiosk nahe der Seilbahn.

Wiedermal ein cooler Tag: Seilbahn, Baden und ein FTF. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob an diesem Tag alle dieser Meinung waren.

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