T5 Geocaching – Herausforderungen beim Klettern unter Brücken

Das Klettern ist für mich beim Geocachen immer wieder eine Rückbesinnung an die ersten gesuchten Dosen überhaupt: Man hat sie sich gezielt ausgesucht, hat sich möglichst gut vorbereitet, sie dann in aller Ruhe gesucht und danach den Erfolg mit Freunden geteilt.
Mittlerweile suche ich viele Caches einfach, weil ich gerade in der Nähe bin – aber bei den Klettercaches ist es immer noch wie damals.

Nach 263 T5ern gibt es natürlich viele spannende Erlebnisse, doch das vertikale Klettern unter Brücken ist immer wieder etwas Besonderes. Gerade weil bei mir in Norddeutschland die meisten Kletterdosen an Bäumen hängen und es fast nur in die Höhe geht.
Anders war es bei diesem Cache: Unter der Gelben Brücke. Hier war die Aufgabe, die Dose an einer Stahlkonstruktion unter einer mehrspurigen Straße im hamburger Hafengebiet zu erreichen. Und das über Wasser!

Generell gibt es für solche Caches zwei Herangehensweisen:

  • Man kommt mit einem Boot, wirft die Pilotleine wie an einem Baum und baut sein Seil am besten würgend an der Stahlkonstruktion ein. Während Einer klassisch nach oben klettert, kümmert sich der Andere um das Boot.
  • Wir haben kein Boot und wollten es deshalb von Land aus schaffen, ohne dabei ins Wasser zu müssen.

Vorbereitung ist alles…

Als wir diese Aufgabenstellung im Vorwege diskutierten, erinnerten wir uns an andere coole Klettercaches dieser Art. Die gesammlten Erfahrungen sollten hier zu einem reibungslosen Logbucheintrag führen:

Da ein Vorstieg mit Bandschlingen für uns keine Option war, mussten wir den Seileinbau genauer unter die Lupe nehmen…
So ein Wurfsack ist natürlich schnell über den Stahlträger geworfen – doch wie kommt man wieder ran?
Wir bauten uns aus Draht einen kleinen Drillingshaken. Für seinen Einsatz hatten wir zwei Optionen:
Wir angeln den Wurfsack mit dem anderen Ende der Wurfleine (an dem dann der Haken ist) und ziehen alles an Land (wie auf der Skizze) ODER wir werfen den Wurfsack mit Haken über den Stahlträger, schießen dann eine zweite Pilotleine an die senkrecht hängende erste Pilotleine heran und ziehen vorsichtig an der Ersten bis der Haken die zweite Leine fängt.
Beim Seil brauchten wir nicht lange ügerlegen. Unsere Statikseile von Courant (Ultima meetic 10,5mm) mit ihrer geringen Dehnung sollten gut funktionieren.

Alles weitere wollten wir uns vor Ort anschauen.

Los gehts…

Unter der Brücke angekommen, war schnell klar von welcher Uferseite wir klettern wollen. Leider hatte diese Seite nur einen sehr niedrigen Anschlagpunkt für unser Seil. Aber es gab keine Alternative – das andere Ufer war zu weit von der Dose entfernt!

Nun ging es darum, unseren Plan in die Tat umzusetzen. Da die Entfernung zur Dose viel größer war als dessen Höhe entschieden wir uns sofort, unseren gebastelten Haken etwas oberhalb des Wurfbeutels in die Pilotleine einzuknoten. Nach ein paar Versuchen hatten wir die Leine endlich dort, wo wir sie haben wollten. Den Wurfbeutel ließen wir etwa 1m tief ins Wasser eintauchen.

TIPP: Seid vorsichtig, wenn ihr eine Bigshot benutzt. Der Haken kann sich leicht in den Gummibändern verfangen!

Während einer von uns die Pilotleine auf Spannung hielt, schossen wir mit der Bigshot eine zweite Pilotleine hinter die erste einfach so ins Wasser (die zweite Leine darf natürlich nicht über den Stahlträger). Zügig zogen wir diese stramm bis sich beide Leinen berührten.
Behutsam zogen wir die erste Leine mit dem Haken nach oben bis sich die zweite Leine im Haken verfangen hatte. Jetzt war eine ruhige Hand gefragt! Mit viel Gefühl zogen wir die zweite Leine zurück an Land, ohne dabei die eingehakte Pilotleine zu verlieren. Alles lief wie am Schnürchen.

Wie oben schon erwähnt, mussten wir den schlechten Seileinbau direkt an der Wasserkante wählen. Es gab dort eine Leiter ins Wasser und einen massiven Metallbügel.
Die Leiter gab uns wenigstens die Chance uns ordentlich ins Seil einzuhängen, weil wir dadurch etwas tiefer kamen.
Die Spannung stieg und ich machte mich auf den Weg zur Dose. Das Sicherungsgerät hatte ich wie beim Baumklettern am Gurt und die Beinschaufe der Handsteigklemme hatte ich mit einem Karabiner am Hauptseil befestigt damit mein Bein beim Abstossen nicht ins Wasser hängt.
Wer so etwas schon mal gemacht hat, weiß wie das jetzt aussieht… Kopfüber mit beiden Beinen am Seil hing ich ca. 50cm über dem Wasser. Das war schon ziemlich knapp – aber ich wollte es wagen. Zwei, drei kräftige Züge an der Handsteigklemme und schon war ich 2m von der Mauer entfernt. Der Abstand zum Wasser hatte sich jedoch auf nahezu Null verringert! Ich musste zurück. Für diesen oder einen anderen ungeplanten Zwischenfall hatte ich ein weiteres Seil am Gurt. Mit diesem Sicherungsseil zogen mich meine Kletterpartner zurück. Doch mein Sicherungsgerät wollte in diese Richting bei straffem Seil gar nich so richtig aufmachen. Es fehlten nur noch 30cm bis zur Leiter – aber es ging weder vor noch zurück! Irgendwann konnte ich es in dieser Haltung nicht mehr aushalten und lies die Beine einfach ins Wasser hängen. Unser Plan, ohne Wasserkontakt die Dose zu erreichen, war geplatzt.
Mit etwas Geduld kam ich einige Minuten später wohlbehalten mit nasser Hose und vollgelaufenen Schuhen wieder an Land.

Nach diesem kleinen Rückschlag war es nun Zeit für einen weiteren Versuch. Unsere Fehler hatten wir erkannt und neue Ideen waren gefunden:

  • Das Seil war unzureichend gespannt. Wir installierten einen Petzl Rig und spannten damit das Seil.
  • Da Sicherungsgeräte am straffen Seil nicht funktionieren, wechselten wir auf einen Klemmknoten und befestigten uns mit einer doppelten Seilrolle am Hauptseil.

Zweiter Versuch…

Während ich mich noch etwas ausruhte machten sich die anderen Beiden auf den Weg zur Dose. Unsere neue Idee fruchtete prächtig: Der Aufstieg mit Handsteigklemme und hochgehängter Fußschlaufe funktionierte bestens. Die Rolle nahm den Klemmknoten wie von selbst mit. Jedeglich die letzten 50cm waren anstrengend. Auf dem Rückweg freuten wir uns über das zusätzliche Sicherungseil, denn damit konnten wir den jeweiligen Kletterer gemeinsam zur Leiter zurückziehen.

Nachdem wir zusammen an Land loggten und das Logbuch bereits wieder vor Ort war, wollte ich natürlich auch noch einmal unter die Gelbe Brücke. Unter den anfeuernden Rufen der Besatzung einer vorbeifahrenden Yacht erreichte ich die Dose. Was für ein Abschluss!

Für mich war das ein ganz besonderer Cache. Im Dreamteam mit jastei und MORITZ! zeigte sich mal wieder das es nicht reicht, die beste Ausrüstung zu besitzen. Man muss auch damit umgehen und mit kreativen Ideen kombinieren können.

Fazit:

Macht solche Caches niemlas alleine! Vertikales Klettern ist immer eine besondere Herausforderung. Denkt auch an den Rückweg und schont euer Seil. Gerade an technischen Anlagen kann man sich schnell sein Equipment beschädigen. Überlegt euch vorher, ob euer Sicherungsgerät für diesen Einsatz funktioniert. Und bedenkt, das an einem straffen Seil der nachträgliche Einbau einer Umlenkrolle (wie beim Baumklettern) fast unmöglich ist.

Vielen Dank an meine Kletter-Crew und an den Owner dieses geilen Caches: Hamburg75.

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