Fläming – Alte Gemäuer

Als mir vor ein paar Monaten ein guter Freund den Link zu einem Beitrag des ARD über Lost Places in Norddeutschland schickte, wurde ich sofort hellhörig, als es um Beelitz-Heilstätten ging. Durch das Geocaching kannte ich bereits Bilder der Sanatorien und der dazugehörigen Gebäude. Mittlerweile sind alle Geocaches auf dem Gelände archiviert. Damit war die Gelegenheit perfekt, im Rahmen eines Fotoevents die alten Gemäuer doch noch einmal zu besichtigen. Ich stieß auf die Fotobase von go2know – Touren an geheimen Orten. Schnell fand ich zwei fotobegeisterte Kollegen, die sofort mitfahren wollten. Und so war die Idee geboren: Ein Wochenende im Fläming. So heißt der Landstrich zwischen Potsdam und Wittenberg an der Elbe. Und weil sich der weite Weg für einen Tag nicht lohnt, suchten wir nach einer zweiten Location in der Nähe oder auf dem Weg zwischen Berlin und Hamburg… und fanden – nachdem lange Heilstätten Grabowsee unser Plan war – eine alte russische Kaserne ca. 20km von Beelitz entfernt.

Beelitz-Heilstätten – ein kleiner Ort ca. 2 km von der Spargelstadt Beelitz entfernt – ist durch seine Lungenheilstätten bekannt geworden. Sie wurden bereits um 1900 auf einer Fläche von 200 Hektar gebaut. Getrennt nach Geschlechtern gab es Frauen- und Männersanatorien. Ingesamt bestand das Gelände aus 60 Gebäuden, die architektonisch sehr schön anzusehen waren um den tuberkulosekranken Bürgern aus dem Berliner Umland eine angenehme Umgebung zur Linderung ihrer Leiden zu bieten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Heilstätten von der Roten Armee übernommen und als Hospital genutzt. Einige Gebäude sind heute wieder restauriert. Wir besichtigten einige Gebäude des Männer-Sanatoriums: Badehaus, Pavillon sowie die Wirtschaftsgebäude (Bäckerei, Zentralwäscherei und Nordhalle des Kraftwerkes). Wir buchten die 7-stündige Fotobase, bei der man sich frei auf dem Gelände bewegen kann. Es machte riesigen Spaß die Gebäude zu erkunden und immer wieder coole Fotomotive zu finden. Wem die Impressionen hier im Artikel nicht genügen, kann sich das Fotoalbum Beelitz-Heilstätten ansehen.

Um das Wochenende richtig auszukosten, starteten wir bereits am Freitag. Leider waren die Autobahnen so voll, das wir unser Hotel erst gegen 19 Uhr erreichten. Es befindet sich in Frohnsdorf, ein kleiner Ort zwischen Jüterbog und Treuenbrietzen. Wer hier in der Gegend ein gemütliches Hotel in familiärer Atmosphäre sucht, sollte sich das Hotel Waldschule ansehen: Toll gelegen, top restauriert und sehr nette Besitzer. Frühstück gibt es auch – nach Absprache wann und wie man es möchte!
Fürs Abendessen hatten wir uns die Waldgaststätte Zur Alten Eiche ausgesucht. Ein kurzer Spaziergang führte uns zu einem tollen Restaurant mit herrlichem Biergarten – doch leider war geschlossen!
Für Plan B fuhren wir mit dem Auto zum Rasthaus Zum Tiefen Brunnen. Das Wetter war super und so konnten wir gemütlich bis in die Nacht draußen sitzen. Nachdem die ISS vorbeigeflogen war, bezahlten wir und machten uns auf den Rückweg zum Hotel.

Der Samstag war von der Fotobase in Beelitz-Heilstätten geprägt. Zuvor deckten wir uns allerdings noch mit Proviant und ausreichend Getränken ein. Nach sieben anstrengenden Stunden zwischen kaputten Fensterscheiben und abgeblätterter Farbe inmitten zuerfallender Schönheit und beladen mit kiloschwerem Fotoequipment freuten wir uns auf eine ausgiebige Dusche. Auf dem Weg durch Treuenbrietzen fiel uns der dort ansässige Grieche auf. Und so fuhren wir für Abendessen zur Taverna Ja Mas. Es gab Live-Musik und gutes Essen, reichlich Ouzo und eine Bombenstimmung mit Tanz und guter Laune. Der ganze Ort schien sich an diesem Abend dort zu versammeln.

Der nächste Tag war eine große Überraschungskiste: Wir hatten uns das Gelände der russischen Kaserne Altes Lager zwar mit Google Maps von oben angesehen, doch was uns dort erwartet, wußten wir nicht.
Gleich nach dem Frühstück fuhren wir los. Unser Parkplatz war perfekt und das obligate Loch in der Mauer schnell gefunden. Die Erkundung konnte starten. Gleich zu Beginn gab es ein paar Highlights. Eine alte Garage mit ausgeschlachteten Trabis, ein Heizkraftwerk und eine alte Tankstelle. Mich haben an diesem Tag vor allem die gelben Häuser der Kaserne fasziniert. Zielstrebig klapperten wir unsere Wegpunkte ab und fanden viele schöne Fotomotive. Im Album Kaserne – Altes Lager kannst Du dir alle Bilder ansehen. Einige Häuser konnten wir betreten, einige waren versperrt. Aber auch so wurde die Zeit knapp, um das riesige Gelände komplett zu erkunden. Am frühen Nachmittag traten wir die Heimreise an – es war verrückt: während wir morgens das beste Wetter hatten, fing es auf der Rückfahrt noch vor Berlin an zu Regnen.

 

Fazit: Ein prima Wochenende, welches uns Dreien gut gefallen hat. Wäre da nicht die lange Fahrerei gewesen. Dafür wurden wir aber mit reichlich Fotomotiven und einem kleinen Abenteuer belohnt. Für mich war es etwas merkwürdig, denn sonst machte ich solche Touren um Geocaches in Lost Places zu finden. Ganz nebenbei machte ich dann ein paar Fotos. Diesmal war es anders: Die Fotos standen im Vordergrund und am ganzen Wochenende fand ich nur drei einfache Tradis. Und dabei war kein einziger LPC.

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